Berner Generationenhaus: Ein Ort der Begegnung
Seit zehn Jahren ist das Berner Generationenhaus ein lebendiger Treffpunkt für alle Generationen.
Seit zehn Jahren ist das Berner Generationenhaus ein lebendiger Treffpunkt für alle Generationen. Jährlich besuchen es rund eine halbe Million Menschen, um Beratungsangebote zu nutzen, an Workshops und Veranstaltungen teilzunehmen, Ausstellungen zu entdecken oder in der Cafébar oder im Innenhof zu verweilen. Die Tradition des sozialen Engagements im Haus reicht bis zu seinem Bau im Jahr 1741 zurück.
Das Gebäude des Berner Generationenhauses wurde vor fast 300 Jahren nach den Plänen des französischen Architekten Joseph Abeille errichtet. Ursprünglich trug es den Namen «das grosse Spital». Zu jener Zeit war damit viel mehr als ein Ort für Kranke gemeint. «Das grosse Spital» war eine Art «multifunktionale Versorgungsanstalt», in der Bedürftige aller Art– Alte, Waisen, Bettler, Pilger oder ledige Schwangere – Unterschlupf fanden.
Auch mit der Inschrift über dem Haupteingang «Christo in Pauperibus» hob die Stadt Bern ihre
Fürsorglichkeit hervor. Es heisst übersetzt in etwa: «Christus dienen, indem man den Armen dient».
Gleichzeitig wurden Bedürftige bewusst auf Distanz zur Stadt gehalten, indem man sie ausserhalb der Stadtmauer unterbrachte. Im hinteren Gebäudetrakt zum Beispiel lag die sogenannte «Spinnstube», wo «unnützes und unzüchtiges Weibervolk», «arbeitsscheue Männer» und «widerspenstige Jugendliche» einquartiert wurden – ein Begegnungsort der Generationen, wenn auch in einem ganz anderen Sinn als heute.
Das Gebäude stand damals «zwischen den Toren»: Eingerahmt vom Murtentor auf der einen und der mittelalterlichen Stadtmauer mit dem Christoffelturm auf der anderen Seite. Für Reisende war es also eines der ersten Gebäude in Bern, das sie bei ihrer Ankunft zu Gesicht bekamen. Die Stadt Bern setzte damit ein Zeichen: Wenn die Ärmsten so wohnen, wie gut mag es dann erst den Wohlhabenden gehen?
1852 ging das Gebäude in den Besitz der Burgergemeinde Bern über und trug fortan offiziell den Namen «Burgerspital».
Auf historischen Bildern ist vor dem Gebäude ein grosses Wasserbecken zu sehen. Dabei handelt es sich um die sogenannte «Rossschwemme». Hier mussten Kutschen und Pferde gereinigt werden, bevor sie in die Stadt einfahren durften.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts veränderte sich die Umgebung des Burgerspitals stark. Für den Bau des neuen Bahnhofs musste der Christoffelturm weichen, und in der ehemaligen Rossschwemme wurde ein eleganter Springbrunnen angelegt. Später verschwand auch die Rossschwemme, weil Tramschienen gebaut wurden.
Das Burgerspital wurde immer mehr zu einem Alters- und Pflegeheim. Anfang des 20. Jahrhunderts
waren im zweiten Stock die zahlenden, bessergestellten Burgerfamilien untergebracht, während im
ersten Stock ärmere Burgerinnen und Burger – sogenannte Pfründner– lebten, die im Haushalt mit
helfen mussten. Der Innenhof wirkte damals zeitweise romantisch überwachsen.
Während des Generalstreiks von 1918 wurden in den Korridoren des Burgerspitals freiburgische Soldaten einquartiert, die zum Schutz der Stadt aufgeboten worden waren.
Viele von ihnen erkrankten an der Spanischen Grippe und wurden direkt vor Ort gepflegt.
Um die Jahrtausendwende war eine umfassende Renovation des Barockgebäudes nötig. Die ideale Lage direkt neben dem Bahnhof hätte zahlreiche kommerzielle Nutzungen ermöglicht: ein Einkaufszentrum, ein Hotel oder moderne Arztpraxen. Doch die Burgergemeinde Bern entschied sich, das Haus für die breite Öffentlichkeit zugänglich zu machen: mit dem Berner Generationenhaus.
Nach zwei Jahren Umbau öffnete das Berner Generationenhaus 2014 seine Türen – und lädt das Publikum seither ein, sich mit Fragen zu Generationen und Gesellschaft auseinanderzusetzen. Gleichzeitig ist es dank der Cafébar und grösszügigen Innenhof zu einem beliebten Treffpunkt mitten in der Stadt Bern geworden. Besonders geschätzt wird, dass es keine Konsumpflicht gibt: Gäste dürfen ihre eigenen Getränke und Snacks mitbringen.
2025 fanden im Generationenhaus über 600 Veranstaltungen statt – von Workshops und Diskussionen bis hin zu Spielturnieren. Grosse Resonanz erhielt auch die Ausstellung HILFE, ICH ERBE!, die das Publikum bis Ende April 2026 dazu einlud, den eigenen Wurzeln und Familiengeschichten nachzuspüren.
Unter dem Dach des Hauses sind 13 soziale Institutionen vereint, weitere sind regelmässig zu Gast.
Sie bieten Menschen aller Generationen Beratung, Information und Lebenshilfe. Auch die Mieträume – ob unter den historischen Dachbalken oder im lebhaften Erdgeschoss – werden vielfältig genutzt. Das Berner Generationenhaus hat sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich weiterentwickelt und ein immer grösseres Publikum erreicht. Heute ist es ein einzigartiger Ort der Begegnung und des Dialogs – und führt zugleich eine fast 300-jährige Tradition des sozialen Engagements im Haus fort.
Text: Andy Hochstrasser